Hier gibt es weitere Informationen über die ehemalige Jüdische Gemeinde, die Ehemalige Synagoge und Rabbi Warburg

Historie

Rabbi Samuel Levi Warburg

Im Jahre 1800 wählte die Judenschaft der Stadt und Burg Gelnhausen Samuel Ben Yehudo, der sich Warburg nannte, nach der Stadt seiner Herkunft.
„Dieser von Juden und Christen als Heiliger verehrte Mann war ein Asketiker, der jeden Tag fastete, (was er wohl nur am heiligen Sabbat unterbrach) sich mit mystischen Studien beschäftigte und bestrebt war, mit Hilfe der Kabbala Wunder zu wirken.”
Legenden ranken sich insbesondere um seinen Wunderstab, der etwa 70 cm lang, hohl und noch von der Baumrinde umgeben war und den am oberen Ende eine Lederkappe überzog. Mit seiner Hilfe soll Rabbiner Samuel Warburg die Ausbreitung eines Brandes in der Holzgasse verhindert und eine Horde Kosaken von Plünderung und Zerstörung in der Gelnhäuser Judengasse abgehalten haben.
In der Synagoge aufrechtstehend ist Rabbi Warburg beim Gebet (am 17. Februar 1817) gestorben.

Quelle: Festschrift Ehemalige Synagoge Gelnhausen -Widmung als kulturelle Begegnungsstätte, Seite 36

Bericht aus dem Leben des Hochwürdigen Rabbi Samuel Ben Yehudo aus Warburg

von Richard Scheuer

Neben großen Rabbinern mit gutem Namen in Israel, die in unserer altehrwürdigen Gemeinde gelebt und amtiert haben, tritt nicht zuletzt der Name des hier bei Juden und Nichtjuden hochgeachteten Rabbi Samuel Ben Yehudo hervor, der sich den Namen Warburg zulegte, nach der Stadt seiner Herkunft.
Rabbi Samuel, mit großer Klugheit und vielen Geistesgaben ausgerüstet, wandte sich der Kabbala zu. Und wie wir wissen, drang die ungeheure Geistigkeit dieses Asketen – er fastete Tag für Tag in der Woche, und wohl nur am heiligen Sabbat unter- brach er es – weit vor auf diesem Gebiet jüdischen Geistes.
Seine Kenntnisse in der Kabbala scheinen es auch bewirkt zu haben, dass man ihm den Gelnhäuser Rabbinatsstuhl anbot. Wie der Geschichtsschreiber unserer Gemeinde, der verewigte Herr Lehrer Meyer Strauß s. A., annimmt, machte sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der Pflege der jüdischen Wissenschaft in Gelnhausen ein Umschwung geltend. So schreibt er in der Festschrift zum 200. Jubiläum der beiden Vereine Chevrot Gemiluth chasodim und Chevrot Kabronim wörtlich: „Vielleicht möchte die Nähe des in Offenbach residierenden ‘Baron Frank’ mit seinem falschen Messiaskultus das ihrige dazu getan haben – man neigte sich hier mehr der Kabbalistik zu, und hatte in dem Rabbiner Samuel aus Warburg einen hervorragenden Vertreter dieser Richtung gewonnen.”

Rabbi Samuel war der indirekte Nachfolger des berühmten Gaons Chanoch Henoch, Sohn des Gaon Yehuda Loeb, der im Jahre 1741 hier verstarb.
Unser Rabbi Samuel, der mit der Tochter des Hanauer Gaons Rabbi Benjamin, namens Hanle verheiratet war, ist auch literarisch hervorgetreten und hat sich auch dadurch wie unsere an- deren großer. Rabbinen einen Namen gemacht. Ein literarisches Produkt von ihm ist ‘Sichrontov’, Kommentar zu Rosh Hasho- noh.

Doch sind in unserer Gemeinde seine als Wundertaten er- scheinenden besonderen Leistungen am engsten mit seinem Namen verknüpft, die er aufgrund seiner Kabbalakenntnisse vollbrachte. Am bekanntesten ist uns der Bericht über die Kosakenvertreibung mittels eines Wunderstabes im zweiten Dezennium des 19. Jahrhunderts.
Einstmals – so erzählte uns ein altes Mitglied, Herr Julius Lorsch, dessen Vorfahren für Jahrhunderte hier lebten, – soll es im Nordende der Stadt gebrannt haben, viele Häuser der Holzgasse waren schon ein Raub der Flammen geworden, und noch immer dehnte sich das gierige Feuer aus, da soll man, als man sich wahrscheinlich keinen anderen Rat mehr wusste, Rabbi Samuel geholt haben, der auch mit seinem Schemoth enthaltenden Stab erschien, und das Feuer soll nachgelassen haben.
Rabbi Samuel starb aufrechtstehend in der Synagoge und soll auch so begraben worden sein. Sein Platz in der Synagoge war durch eine Tafel mit Inschrift gekennzeichnet.
Das Archiv unserer Gemeinde soll Getbriefe (Scheidungsbriefe) enthalten haben, die von Rabbiner Samuel Ben Yehudo Warburg unterzeichnet waren. Außerdem war die Gemeinde im Besitz einer Sefer Thora, die den Namen Schmul Warburg trug, die vielleicht, wie wir annehmen dürfen, von ihm selbst geschrieben worden war und die Künderin der großen Zeit unserer Gemeinde war. Leider war dieses hehre Andenken an die heilige Persönlichkeit zur Thoravorlesung zuletzt nicht mehr benutzbar, da das Sefer nicht mehr den religiösen Ansprüchen genügte. Die zuletzt stark zusammengeschrumpfte Gemeinde verfügte nicht über das Geld, sie wiederherstellen zu lassen.
So stand das Andenken Rabbi Samuels groß da in unserer Gemeinde, und gar mancher verweilte schon an seiner Grabstätte, die sich auf dem Ehrenhügel inmitten der anderen großen Rabbinen unserer Gemeinde befindet, auf dem mehrere Jahr- hunderte alten Friedhof.

Quelle: Festschrift Ehemalige Synagoge Gelnhausen -Widmung als kulturelle Begegnungsstätte, Seite 49 bis 50

Sein Lebenslauf:
https://www.geni.com/people/Samuel-Warburg/6000000027895094992

Jüdische Gemeinde Gelnhausen

Die jüdische Gemeinde in Gelnhausen zählt zu den älteren in Deutschland. Schon 1241, unter Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen, werden die Schutzgelder der Gelnhäuser Juden in dem Wetterauer Städtebund erwähnt, zu dem neben Frankfurt, Friedberg und Wetzlar auch die Reichsstadt Gelnhausen gehörte. Als Kammerknechte des Kaisers standen die Juden unter des Reiches besonderem Schutz, wofür sie dem Kaiser bestimmte Abgaben zu zahlen hatten. Wegen dieser Einnahmen verpfändeten diese häufig ihre Judenschaft – so Kaiser Rudolf die Gelnhäuser Juden im Jahre 1290 an den Edlen Ulrich von Hanau.
Auch für die Erlaubnis, eine Synagoge zu haben, ‘Schul’ zu halten, mussten die Gelnhäuser Juden jährlich einen Zins zahlen, der 1337 als Reichslehen den Freiherrn Forstmeister von Gelnhausen gegeben war. (Wobei dies die erste erhaltene Erwähnung einer ‘Schul’ in Gelnhausen ist, die im Sinne der oben zitierten Ausführungen gewiss schon mindestens 100 Jahre vor- her bestand).
Für die Zeit um 1360 wird ein Rabbi Jakob von Gelnhausen erwähnt, dessen Lieddichtung Generationen später, im Jahre 1517, Menachem Oldendorf zu Frankfurt aufschrieb und so der Nachwelt erhielt. Die Gelnhäuser Judengemeinde war im Pestjahr 1348 vollkommen ausgelöscht worden, und in der Heimatstadt Rabbi Jakobs ließen sich erst Jahrzehnte später wieder Juden nieder.
Im Jahre 1601 baute die jüdische Gemeinde ihre Synagoge auf dem heutigen Grundstück, wie die Inschrift auf dem Hochzeitsstein neben dem Eingang zur Männersynagoge ausweist, den man nach der Zerstörung in nationalsozialistischer Zeit vor zwei Jahren nachgebildet und wieder in das Mauerwerk eingefügt hat.
Die Zahl der in Gelnhausen lebenden Juden nahm nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder langsam zu. Ihre Synagoge war in den Kriegswirren so stark beschädigt worden, dass der Vorstand der damals kleinen Gemeinde aus fünf Familien im Jahre 1656 beim Rat der Stadt um Genehmigung für die Wiederherstellung bitten musste, die dann auch gegen Bezahlung von 50 Talern gewährt wurde.
In den folgenden Jahrzehnten des allgemeinen Wiederaufbaus siedelten mehr und mehr Juden sich in der Stadt und Burg Gelnhausen und in Altenhaßlau an. Sie hatten an dem sich allgemein mehrenden Wohlstand durch Vermittlung von Geld- und Handelsgeschäften ihren Anteil. Der nächste uns wieder namentlich bekannte Rabbiner in dieser Zeit ist Rabbi Chanoch He- noch, der vier Jahrzehnte lang in Gelnhausen tätig war, und 1741 auf dem Friedhof auf dem Escher beerdigt wurde. Er war ein Gelehrter, der von weither aufgesucht wurde. Zwei seiner religiösen Traktate sind überliefert. 1711 begründete die Gemeinde die beiden Beerdigungsvereine Gemiluth Chassodim und Kabronim. Und 1736 erteilte der Rat der Stadt die Genehmigung zur “Erneuer- und Erweitherung ihrer allhier habenden Synagog”, die damals im wesentlichen so aufgeführt wurde, wie sie in diesem Jahr renoviert vor uns steht (u. a. ist aber der getrennte Aufgang zur Frauenempore weggefallen). (4)
Im Geschoßbuch von 1750 werden neben der Synagoge zwei gemeindeeigene Häuser genannt: In dem einen wohnte der Rabbiner, in dem anderen der ‘Schulklepper’. Die jüdische Gemeinde hatte damals also, wahrscheinlich aber auch schon früher, zwei Kultusbediente. Der ‘Schulklepper’ ging frühmorgens von Judenhaus zu Judenhaus und klopfte an die Tür, um die Männer zum Frühgebet in der Synagoge zu wecken, und er war auch als Vorsänger tätig.

Quelle: Festschrift Ehemalige Synagoge Gelnhausen -Widmung als kulturelle Begegnungsstätte, Seite 34 bis 35

https://www.alemannia-judaica.de/gelnhausen_texte.htm

Ehemalige Synagoge

Auch für die Erlaubnis, eine Synagoge zu haben, ‘Schul’ zu halten, mussten die Gelnhäuser Juden jährlich einen Zins zahlen, der 1337 als Reichslehen den Freiherrn Forstmeister von Gelnhausen gegeben war. (Wobei dies die erste erhaltene Erwähnung einer ‘Schul’ in Gelnhausen ist, die im Sinne der oben zitierten Ausführungen gewiss schon mindestens 100 Jahre vor- her bestand).
Im Jahre 1601 baute die jüdische Gemeinde ihre Synagoge auf dem heutigen Grundstück, wie die Inschrift auf dem Hochzeitsstein neben dem Eingang zur Männersynagoge ausweist, den man nach der Zerstörung in nationalsozialistischer Zeit vor zwei Jahren nachgebildet und wieder in das Mauerwerk eingefügt hat.

https://www.alemannia-judaica.de/gelnhausen_synagoge.htm

https://www.alemannia-judaica.de/gelnhausen_synagoge.htm#Zur%20Geschichte%20der%20Synagoge

https://de.wikipedia.org/wiki/Synagoge_(Gelnhausen)

Literaturnachweise

Germania Judaica II,1 S. 273-275; III,1 S. 427-433.
H. Strauss: Festschrift zum 200jährigen Jubiläum der Vereine Gemiluth-Chasodim uKabronim in Gelnhausen am 25. Juni 1911. Gelnhausen 1911.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang – Untergang – Neubeginn. 1971. Bd. I S. 240-246.    
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder – Dokumente. S. S. 69-71.   
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 148-149.  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 204-206.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse –  Hesse-Nassau – Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 409-412.   
Festschrift ehemalige Synagoge Gelnhausen. Gelnhausen 1986. 2. Auflage 2001. Online eingestellt (pdf-Datei).     
Manfred Meyer: Jüdisches Leben in Gelnhausen. In: Zwischen Vogelsberg und Spessart. Gelnhäuser Jahrbuch 1988.
Jürgen Ackermann: Die Einrichtung einer Religionsschule für die Judenkinder iun Gelnhausen in kurhessischer Zeit. In:  Geschichtsblätter Gelnhausen 1982-1984. 
ders.: Jüdische Schulen im Kreis Gelnhausen. In: Heimatjahrbuch des Kreises Gelnhausen 1986.
ders.  1. Von Rabbinern, Lehrern und Vorsängern in der Synagogengemeinde Gelnhausen. 2. „Teutsche Familiennamen“ für die Juden in der Stadt und Burg Gelnhausen.  3. Festfeier in der Synagoge anlässlich des Sedantages 1895.  In: Festschrift Ehemalige Synagoge Gelnhausen. Widmung als kulturelle Begegnungsstätte. 25. September 1986. Hrsg. vom Magistrat der Stadt Gelnhausen.
ders. Von Rabbinern, Lehrern, Vorbeters in der jüdischen Kultusgemeinde Gelnhausen 1648-1938. Geschichtsblätter Gelnhausen 1985/86/87.
Ulrike Weingärtner: Jüdisches Leben in Gelnhausen in Spätmittelalter und Frühneuzeit. In: Gelnhäuser Geschichtsblätter 2008 S. 67-103.
dies.: Chronologie: Jüdisches Leben in Gelnhausen 1240-1600. In: Gelnhäuser Geschichtsblätter 2008 S. 104-123.