An die verantwortlichen Politiker und Institutionen in Gelnhausen
Wir, eine Interessengruppe, weder parteipolitisch noch konfessionell gebundener Gelnhäuser Bürger, die mittlerweile eine breite Zustimmung über Parteigrenzen und Konfessionen hinweg, nicht nur in Gelnhausen, findet, appellieren an die verantwortlichen Politiker und Gremien der Stadt Gelnhausen, im Sinne eines Moratoriums, mit einer endgültigen Entscheidung zu warten und eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen.
Mit einer nicht nachvollziehbaren Eile, soll schon in der kommenden Stadtverordnetensitzung am 20.03.2024 der Verkauf des ehemaligen Rabbiner- und Gelehrtenhauses in der Brentanostraße 12 für 115.000 € beschlossen werden, ohne Ausschreibung und ohne eine der Wichtigkeit des Gebäudes angemessene öffentliche Diskussion zu ermöglichen.
Der Verkauf des ehemaligen Rabbiner- und Gelehrtenhauses in der Brentanostraße 12 kommt so überraschend, dass nicht einmal der Ortsbeirat der Kernstadt darüber informiert oder gar angehört wurde.
Eine Entscheidung über den Verkauf hat eine unerhörte politische Bedeutung und kann nicht unter den verlautbarten, vornehmlich fiskalischen Gesichtspunkten betrachtet werden.
Wir sehen hierin auch eine Richtungsweisung das Gedenken und die Würdigung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in unserer Stadt zu ermöglichen oder wie in den 80er- und 90er-Jahren zu behindern oder nachhaltig zu beschädigen.
Das Gedenken an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung im Rahmen der Hinweise durch die „Stolpersteine“ war und ist ein wichtiger Beitrag hierzu, aber er darf nicht das Ende sein.
Bereits im Kommentar der FR vom 24.01.2019, zur Verlegung der ersten Stolpersteine in Gelnhausen, wird u. a. ausgeführt:
„Der Terror gegen die jüdische Minderheit, vor allem die Geschäftsleute, begann in Gelnhausen bereits vor der Machtergreifung an drei verkaufsoffenen Sonntagen vor Weihnachten 1932, wie die Historikerin Christine Raedler eruierte. Männer in SA-Uniformen blockierten die Ladeneingänge, ein Vorbote des reichsweiten Boykotts jüdischer Geschäfte vom 1. April 1933. Erst recht spät und gegen so manche Widerstände begann in der Kreisstadt die Aufarbeitung dieses düsteren Geschichtskapitels. In den 80er- und 90er-Jahren mühten sich einige Engagierte in der Gelnhäuser Historischen Gesellschaft, das tabuisierte Thema ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückzuholen. Die Stadtpolitik weigerte sich jedoch, für die Dokumentation der Forschungsergebnisse eine Dauerausstellung einzurichten.“
Nach 1945 kam es dann nicht mehr zum Wiederaufleben jüdischen Gemeindelebens in Gelnhausen.
Umso mehr gebietet es aus unserer Sicht der Respekt vor der Geschichte Jahrhunderte währenden jüdischen Lebens in Gelnhausen ALLE historischen Zeugnisse für die Nachwelt zu bewahren, um die Geschichte der Juden in Gelnhausen zeitgemäß zu präsentieren.
Und hierzu gehört neben der Ehemaligen Synagoge eben auch das Rabbiner- und Gelehrtenhaus in der Brentanostraße 12, das mehr als ein derzeit leerstehenden Haus ist!